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Arbeitsgemeinschaft Influenza
Organisation und Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft Influenza seit 1992
Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) blickt auf eine lange Geschichte zurück.
Sie wurde 1992 von vier pharmazeutischen Unternehmen ins Leben gerufen und vom Deutschen Grünen Kreuz (DGK)
etabliert und durchgeführt. Das DGK baute das heute Deutschland-weit bekannte Sentinelsystem für
Influenza auf und entwickelte Parameter, die einen Überblick über die epidemiologische Situation
der akuten Atemwegserkrankungen im Allgemeinen und der Influenza im Besonderen geben.
Die virologische Surveillance wurde von Anfang an durch das Nationale Referenzzentrum für
Influenza unterstützt, das zunächst vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA),
dann dem NLGA und dem RKI gemeinsam, und später ausschließlich vom RKI geleitet wurde.
Im Jahr 2001 übernahm – im Kontext der Umsetzung des damals in Kraft tretenden neuen
Infektionsschutzgesetzes - das Robert Koch-Institut die wissenschaftliche Federführung
der AGI unter Beibehaltung der bisherigen Partner. Dieses Public Private Partnership-Modell
stand später auch für andere Kooperationen Pate. Seit Gründung der AGI entwickelte sich
das deutsche Sentinelsystem - nicht zuletzt dank der Mitarbeit der freiwillig und
unentgeltlich mitwirkenden Ärztinnen und Ärzte - zu einem Erhebungssystem, das im
europäischen Rahmen einen Spitzenplatz einnimmt.
Im Rahmen der Pandemieplanung wurde erkannt, dass die Überwachung der Influenza eine so
wichtige und zentrale Aufgabe in der Pandemiebewältigung darstellt, dass sie vom Bund
übernommen werden sollte. So wurde die seit 2006 durchgeführte Sommersurveillance von
Anfang an aus öffentlichen Mitteln finanziert. Gerade im Frühjahr und Sommer 2009, als
die pandemische Influenza A (H1N1) Deutschland erreichte, bildeten die Hintergrunddaten
aus der Sommersurveillance eine wichtige Voraussetzung für eine fundierte Beurteilung
der epidemiologischen Lage in Deutschland. Das RKI hatte sich nach den ersten Anzeichen
für eine mögliche Pandemie entschlossen, die im Sommer übliche monatliche Berichterstattung
auf einen wöchentlichen Berichterstattungsrhythmus um zu stellen. Seit der Wintersaison 2009/10
führt das RKI die Arbeitsgemeinschaft Influenza alleinverantwortlich durch.
Die Arbeitsgemeinschaft Influenza ist nunmehr eine Gemeinschaft der Sentinelpraxen und des RKI, deren
Arbeit ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Die AGI kooperiert seit mehreren Jahren
mit verschiedenen Bundesländern (Stand 2011: Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen
, Sachsen-Anhalt), die Daten eigener Systeme zur Verfügung stellen und damit insbesondere die virologische
Surveillance des NRZ für Influenza innerhalb der AGI ergänzen. Die Geschäftsstelle der AGI ist im Fachgebiet
für respiratorisch übertragbare Erkrankungen (FG36) der Abteilung für Infektionsepidemiologie des RKI
angesiedelt (E-Mail agi@rki.de).
Ziele der AGI für die Influenzasurveillance
Das Ziel der AGI in Deutschland ist die zeitnahe ganzjährige Überwachung und Berichterstattung des
Verlaufs und der Stärke der Aktivität akuter Atemwegserkrankungen (darunter speziell die der Influenza)
und der spezifischen Merkmale der jeweils zirkulierenden Influenzaviren. Diese Daten bilden u. a. die
Grundlage für möglichst zielgerechte und evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention und Therapie der Influenza.
Die Influenza ist als jährlich auftretende, alle Altersgruppen betreffende, impfpräventable Erkrankung, die in schweren Saisons zu einer erhöhten Übersterblichkeit führt, von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit. Das Besondere an der Influenza ist zudem, dass
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genetisch und antigenetisch sehr verschiedene Influenzatypen und -subtypen die Erkrankung
verursachen und jede Saison durch eine spezifische Kombination mit unterschiedlichen Anteilen
von zirkulierenden Typen charakterisiert ist. Weltweit zirkulieren momentan Influenza A-Viren
der Subtypen A(H3N2) und A(H1N1) sowie Influenza B-Viren der Linien Victoria und Yamagata, die
die Grippeerkrankung auslösen.
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die Influenzaviren einer hohen Mutationsrate unterliegen und sich die zirkulierenden Varianten
ständig verändern (Antigendrift)
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es durch das segmentierte Genom der Influenzaviren bei zeitgleicher Infektion einer Wirtszelle
durch zwei verschiedene Viren zu einem Austausch ganzer Gensegmente und damit deutlich anderen
Eigenschaften des Virus kommen kann (Reassortment). Wenn dieser Genaustausch die für die
antigenetischen Eigenschaften verantwortlichen Oberflächenproteine Hämaggluttinin oder
Neuraminidase betrifft, können neue Influenzasubtypen entstehen.
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auch in Tierpopulationen, insbesondere bei Wasservögeln, aber auch in Schweinen und weiteren,
weniger relevanten Säugetieren, eigene, spezies-spezifische Influenza A-Viren zirkulieren.
Bei Kontakt mit infizierten Tieren kann es zu einzelnen zoonotischen Erkrankungen bei Menschen
kommen. Adaptiert sich ein solches Virus aber an den Menschen (z.B. wie unter 3. beschrieben)
und ist leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, kann es, wie 1918, 1957, 1968 und 2009 zu
einer Influenzapandemie kommen.
Der Verlauf, die Stärke und die zirkulierenden Influenzaviren für zukünftige Saisons können nicht exakt
vorhergesagt werden. Da die jährlich angepasste Kombination der Impfstoffkomponenten ein Jahr vor der zu
erwartenden Grippewelle festgelegt wird, muss sie nicht in jeder Saison zu den dann aktuell zirkulierenden
Viren passen. Außerdem können Resistenzen gegen die zur Verfügung stehenden antiviralen Arzneimittel
auftreten, was eine kontinuierliche zeitnahe syndromische und virologische Überwachung der Influenza
unbedingt erfordert.
Für Deutschland wird die Influenzasurveillance neben dem gesetzlichen Meldesystem gemäß Infektionsschutzgesetz
bundesweit hauptsächlich durch die Sentinel-Ärztinnen und -Ärzte der AGI getragen.
Organisation und Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft Influenza seit 1992
Um die Überwachung akuter Atemwegserkrankungen für die Sentinelpraxen möglichst einfacher zu gestalten,
erprobt das RKI seit mehreren Jahren eine zweite Säule der syndromischen Surveillance. Bei dem Sentinel
zur elektronischen Erfassung von Diagnosecodes akuter respiratorischer Erkrankungen (SEEDARE) werden über
das Arztinformationssystem akute Atemwegserkrankungen einzelfallbasiert erfasst (siehe auch Sentinelpraxis werden)
und per E-Mail pseudonymisiert an das RKI gesendet. Ein Vergleich der in diesem innovativen System erhobenen Daten
mit den Daten der AGI zeigt eine sehr gute Übereinstimmung, so dass die Ergebnisse neben tiefer gehenden Analysen
auch in die Überwachung akuter Atemwegserkrankungen durch die AGI integriert werden. Sowohl die AGI als auch
das SEED-System registrieren akute Atemwegserkrankungen erst, wenn diese zu einem Arztbesuch führen. Mit dem
Projekt GrippeWeb hat das RKI eine weitere Lücke in der Influenzaüberwachung geschlossen. GrippeWeb ist eine
wöchentliche Onlinebefragung der Bevölkerung zu akuten Atemwegserkrankungen, bei der sich jede in Deutschland
lebende Person ab 14 Jahren mit E-Mail Adresse beteiligen kann. Eltern können für ihre Kinder ebenfalls melden.
Mit diesem Projekt werden akute Atemwegserkrankungen erfasst unabhängig davon, ob sie zu einem Arztbesuch
führten oder nicht. Ausführliche Informationen finden sich auf den Internetseiten von GrippeWeb. Weitere
Ergebnisse aus Influenzaprojekten des RKI und Ergebnisse der Influenzasurveillance der jeweils zurückliegenden
Saison sind im Bericht der Epidemiologie der Influenza in Deutschland zusammengefasst.
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